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Kigali Genocide Memorial: Infos für den Besuch

Was erwartet Besucher im Kigali Genocide Memorial und was waren die Hintergründe des Völkermords in Ruanda? Wir erklären euch auf.

Im Kigali Genocide Memorial erfahrt ihr alles über die blutige Geschichte Ruandas

Das Kigali Genocide Memorial ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Ruanda – wenn nicht die wichtigste. Auch wer für Gorilla-Trekking im Volcanoes Nationalpark oder für das Beobachten von Schimpansen in freier Wildbahn im Nyungwe Nationalpark nach Ruanda reist, sollte die Gedenkstätte unbedingt besichtigen. Wir geben euch Tipps für euren Besuch.

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Hintergründe

Was war der Völkermord in Ruanda?

Der Völkermord in Ruanda ereignete sich zwischen dem 7. April und dem 15. Juli 1994 während des ruandischen Bürgerkriegs. In diesem Zeitraum von nur 100 Tagen wurden Angehörige der ethnischen Minderheit der Tutsi sowie einige gemäßigte Hutu und Twa von bewaffneten Hutu-Milizen getötet. Damit hält der ruandische Völkermord den traurigen Rekord des schnellsten Völkermords der Geschichte. Hintergrundinformationen findet ihr unten in den FAQ.

Das Kigali Genocide Memorial gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Ruanda
Das Kigali Genocide Memorial gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Ruanda

Was ist das Kigali Genocide Memorial?

Das Kigali Genocide Memorial ist eine Gedenkstätte und Bildungseinrichtung in Gisozi, nahe der Hauptstadt Kigali in Ruanda, die an den Völkermord von 1994 erinnert. Dabei wurden innerhalb von 100 Tagen schätzungsweise eine Million Tutsis und gemäßigte Hutus von der Interahamwe-Armee systematisch abgeschlachtet. Insgesamt sind im Gelände des Kigali Genocide Memorial rund 250.000 in Kigali und Umgebung ermordete Tutsi bestattet.

Das Kigali Genocide Memorial ist weit mehr, als eine Grabstätte. Es ist nicht nur ein Ort, an dem die Ermordeten der Vergangenheit geehrt werden, sondern auch ein Ort, an dem junge Menschen mit Überlebenden zusammentreffen. Dafür arbeitet eine Gruppe von Pädagogen, Führern, Archivaren und Forschern täglich für die Förderung von Bildung, Heilung und Versöhnung in Ruanda und darüber hinaus.

Seit wann gibt es das Kigali Genocide Memorial?

Fünf Jahre nach dem ruandischen Völkermords wurde vom Stadtrat beschlossen, den nicht identifizierten Opfer des ruandischen Völkermords einen würdevollen Bestattungsort in Kigali zu errichten. An der heutigen Gedenkstätte wurden Massengräber mit Opfern angelegt, die aus hunderten Massengräbern in ganz Kigali stammten. Die bis zu drei Meter tiefe Grabkammern wurden aus Beton gebaut, um darin Särge zu stapeln, die jeweils wiederum die Überreste von bis zu 50 Opfern enthielten.

Aktivität

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Mehr Infos

Besuch

Die Gedenkstätte dient einerseits als Grabstätte für und ständige Erinnerung an die Opfer, andererseits als lehrreiches Besucherzentrum und Zeugnis für die Widerstandsfähigkeit des ruandischen Volkes, sein Engagement für Frieden und Versöhnung und seinen unerbittlichen Kampf gegen die Ideologie des Völkermords.

Die Historie und der Ablauf des Völkermords wird in Form von Medienzitaten, Filmausschnitten und Nachrichtensendungen für den Besucher erlebbar. Herzstück ist eine großartige Ausstellung, die zu erklären versucht, wie die Welt den Verlauf des Völkermords von 1994 beobachtete.

Audiotour

Der Besuch ist kostenlos. Wirklich lohnenswert ist aber die Audiotour für $20, die jede Menge Hintergrundinformationen bietet und Besucher mit O-Tönen durch die Ausstellung manövriert. Man kann sie trotzdem im eigenen Tempo erkunden. Anhand von Video-Ausschnitten, Fotos und anderen historischen Medien-Schnipseln wird der Massenmord erlebbar gemacht, dazu hört man die Töne und Erzählungen über Kopfhörer.

Am emotionalsten wird es in Form von Kindergeschichten. Dabei wird mit lebensgroßen Fotos gearbeitet, die von Texten begleitet werden. Man erfährt intime Details über Lieblingsspielzeuge, familiäre Zusammenhänge und die letzten Worte und erfährt, wie sie ums Leben kamen.

Wie lange dauert die selbst geführte Tour?

Der Besuch dauert ca. 1 Stunde und 30 Minuten.

Highlights

Das Kigali Genocide Memorial umfasst drei Dauerausstellungen, von denen die größte den Völkermord an den Tutsi im Jahr 1994 dokumentiert. Außerdem gibt es eine Gedenkstätte für Kinder und eine Ausstellung über die Geschichte der völkermörderischen Gewalt in der Welt. Neben einem Café und einem Amphitheater für Veranstaltungen, sind dies die wichtigsten Attraktionen der Gedenkstätte.

Ausstellung „Jenoside“

Die Ausstellung skizziert die ruandische Geschichte vor dem Völkermord an den Tutsi im Jahr 1994, die Ereignisse des Völkermords selbst und Ruandas Weg der Gerechtigkeit, Versöhnung und Erneuerung nach dem Genozid.

Ausstellung „Wasted Lives“

Diese Ausstellung widmet sich den Fällen von Völkermord und Massengrausamkeiten vor und nach der Definition von Völkermord als Verbrechen durch die UNO. Dabei werden Vergleiche mit ähnlichen Orten in Deutschland, Japan, Kambodscha und Bosnien und Herzegowina durchgeführt. Im Gegensatz zu den ehemaligen Konzentrationslagern Auschwitz-Birkenau (Polen) befinden sich beim Kigali Genocide Memorial sowohl menschliche Überreste, als auch die Werkzeuge und Waffen, die zur Ermordung verwendet wurden.

Ausstellung „Tomorrow Lost“

Die Ausstellung porträtiert Kinder, die dem Völkermord zum Opfer fielen, in Form von Fotos und persönlichen Eckdaten wie Lieblingsessen, Lieblingsspielzeug und mehr.

Massengräber

250.000 während des Völkermords ermordete Einwohner Kigalis fanden im Areal ihre letzte Ruhestätte.

Im Kigali Genocide Memorial erfahrt ihr alles über die blutige Geschichte Ruandas
Im Kigali Genocide Memorial erfahrt ihr alles über die blutige Geschichte Ruandas

Rosengarten

Der Rosengarten ist Teil der „Memorial Garden“ und strahlt eine wunderbar gegensätzliche Ruhe aus. Der perfekte Ort, um das Museumserlebnis zu verarbeiten.

Namenswand

Ebenfalls im Außenbereich befindet sich eine Wand mit den Namen der Opfer. Hier können Angehörige und Hinterbliebene um ihre Familienmitglieder trauern. Auch wer keine persönliche Bindung zum Völkermord hat, kann gegen eine Spende eine Rose auf den massiven Betonplatten hinterlassen. Dafür kauft man sich für $30 ein Ticket samt Rose und Pin-Badge als Erinnerung.

Die Mauer der Namen ist eine noch nicht abgeschlossene Arbeit. Viele Namen müssen noch gesammelt und dokumentiert werden, und zahlreiche Opfer, die in diesen Gräbern ruhen, sind noch nicht identifiziert.

Flamme der Erinnerung

Seit der Einweihung des Kigali Genocide Memorial besteht die Flamme der Erinnerung. Sie wird jährlich am 7. April entzündet und brennt für die 100 Tage des Völkermord-Gedenkens von April bis Juli.

Museumsshop

An die Gedenkstätte ist ein Souvenir-Shop angeschlossen. Er bietet die wohl weltweit beste Auswahl an Büchern und Literatur über den Völkermörder in Ruanda. Darüber hinaus gibt es eine schöne Auswahl an traditioneller ruandischer Wandkunst, Kunsthandwerk und Schmuck mit dem „Ubumuntu“-Symbol, das das Engagement des Trägers für die Menschheit zum Ausdruck bringt. Ubumuntu ist ein Wort aus dem Kinyarwanda, das „menschlich sein“ bedeutet.

Die Tafel mit den Namen aller Opfer geht unter die Haut
Die Tafel mit den Namen aller Opfer geht unter die Haut

Fazit

Unser Fazit zur Ausstellung: Wir wollen hier kein Blatt vor den Mund nehmen und euch einen wirklichen Ratschlag geben. Ja, der Besuch des Kigali Genocide Memorial geht unter die Haut und ist nichts für zartbesaitete Menschen.

In seiner Härte der Zurschaustellung von Tatsachen und realer Fotos und Videos geht das Denkmal über das hinaus, was beispielsweise Zizernakaberd, der Denkmalkomplex in Jerewan (Armenien) zum Gedenken der Opfer des Völkermords an den Armeniern, leistet.

Das Museum erinnert vielmehr an das War Remnants Museum (Museum der Kriegsüberreste) in Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam, das sich dem Vietnam-Krieg und seinen Opfern widmet. Entfernt ist auch eine Ähnlichkeit mit der Eindringlichkeit des 9/11 Museums in New York in den USA erkennbar. Trotz der Radikalität der Austellung halten wir einen Besuch für richtig und notwendig, damit die Geschehnisse nicht in Vergessenheit geraten.

Kurzum: Das Museum ist ein schockierendes und lehrreiches Erlebnis – und genau deshalb empfehlen wir es jedem eindringlich. Sogar König Charles III. war schon hier.

Preise & Öffnungszeiten

Eintrittspreise

Der Eintritt zur Gedenkstätte ist kostenlos. Sinnvoll ist aber der Audioguide, der dem Besucher eine ausführlichere und detailliertere Erklärung zu jeder Station innerhalb der Gedenkstätte gibt.

Die Audio-Guide-Tour kostet $20, im Paket mit Rose und Erinnerungs-Pin $30 Dollar. Außerdem werden geführte Touren für Gruppen angeboten.

Öffnungszeiten

Täglich 09:00-16:00 Uhr

Andere Gedenkstätten

In 2023 hat die UNESCO in Riad, Saudi-Arabien, vier Völkermorddenkmäler in Ruanda zum Weltkulturerbe erklärt. Die anderen drei Genocide Memorials in Ruanda sind folgende:

  • Nyamata Genocide Memorial im Osten Ruandas: In der Nyamata-Kirche südlich von Kigali, wurden an einem Tag etwa 45.000 Menschen massakriert, die dort Zuflucht gesucht hatten.
  • Bisesero Genocide Memorial im Westen Ruandas: Die Stätte erinnert an den Widerstand, den die Tutsi mit traditionellen Waffen wie Speeren, Macheten und Stöcken gegen die Täter führten.
  • Murambi Genocide Memorial Centre im Süden Ruandas: Erinnert an Opfer, die sich in der Technikschule von Murambi verstecken sollten, unter dem Vorwand, dass französische Soldaten sie beschützen würden. Sie wurden in eine Falle gelockt und von der Miliz angegriffen.

FAQ: Häufige Fragen

Oft gestellte Fragen zum Völkermord in Ruanda und dem Kigali Genocide Memorial beantworten wir hier.

Warum kämpften Hutus und Tutsis?

Während der Kolonialzeit wurde die Minderheit der Tutsi (14 %) gegenüber den Hutus (85 %) bevorzugt. Sie hatten Privilegien wie eine Bildung im westlichen Stil, während die Hutus unterdrückt wurden. Schon 1959 rebellierten die Hutus gegen die belgische Kolonialmacht und die Tutsi-Elite und zwangen rund 150.000 Tutsi zur Flucht nach Burundi.

Was führte zum Völkermord in Ruanda?

Als Ruanda 1962 die Unabhängigkeit erlangte, blieb die ethnische Mehrheit, die Hutus, an der Macht. Die Hutu-Herrschaft führte zu einer weit verbreiteten Diskriminierung der Tutsi und legte den Grundstein für den Völkermord von 1994.

Was waren die Ursachen des Völkermords in Ruanda?

Der Kontext eines anhaltenden Krieges führte zu Anti-Tutsi-Propaganda, in der Tutsis als gefährliche Verräter dargestellt wurden. Als 1994 das Flugzeug des ruandischen Präsidenten Juvenal Habyarimana abgeschossen wurde, begann der Völkermord.

Wie viele Menschen starben beim Völkermord in Ruanda?

Beim Völkermord in Ruanda wurden über 800.000 Menschen – in manchen Berichten bis zu 1 Million – in nur 100 Tagen brutal abgeschlachtet.

Wie viele Völkermord-Gedenkstätten gibt es in Ruanda?

Das Denkmal ist eine von sechs nationalen Gedenkstätten in Ruanda. Insgesamt gibt es in Ruanda über 250 registrierte Gedenkstätten, die dem Völkermord von 1994 gewidmet sind.

Fragen zum Kigali Genocide Memorial?

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